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11.01.2019

Fahrplanänderungen der Stadtbuslinie 71

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, 
lieber Sebastian,

zunächst wünsche ich Dir ein gutes, glückliches, neues Jahr 2019!

Ich will mich heute in einem offenen Brief an Dich wenden: Seit Jahreswechsel steht bei mir das Telefon nicht mehr still bzw. bekomme ich ständig Nachrichten verärgerter Stadtwerkekunden, Bürger aber auch von Gemeinderäten wegen des neuen Fahrplans. Die Gemeinde wird für die Vorgänge nicht selten mitverantwortlich gemacht, zumindest zu Unrecht als Mitwisser der Fahrplanänderungen gesehen.

Erst kurz vor Weihnachten hatte ich das turnusgemäße "Jahresabschlussgespräch" mit Geschäftsführer Thomas Kästner bei uns im Rathaus. Wir arbeiten in vielen Bereichen sehr eng und vertrauensvoll zusammen, doch selbst in diesem besagten Gespräch am 13.12.2018 waren die wohl absehbaren gravierenden Fahrplanänderungen für Schonungen kein Thema.

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass wir Nachbarbürgermeister über die schlechte Frequentierung von Stadtbuslinien und die Notwendigkeit von solch beachtlichen Fahrplanänderungen im letzten Stadt-Umland-Gespräch von Dir informiert wurden. Dabei wäre das doch eine geeignete Plattform um die Nachbargemeinden einzubinden.

Insgesamt 11 Fahrten/Woche sind alleine bei der Linie 71 (Höllental/Mainberger Straße, Mainberg, Schonungen, Hausen) gekürzt worden. Damit sind wir sehr stark von der Ausdünnung des Fahrplanes betroffen. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Fahrpläne von 2018/2019 gegenüber gestellt. Folgende Fahrten ab Rossmarkt in Richtung Schonungen wurden gestrichen:

MO-FR  22:40
SA        06:51 - 07:31 - 13:04 - 14:04 - 19:30 - 22:51
SO        10:34 - 12:04 - 19:34 - 21:21

Ich muss leider feststellen, dass die Gemeinde Schonungen im Vorfeld weder darüber informiert, noch in irgendeiner Form bei Entscheidungsprozessen durch die Stadt Schweinfurt bzw. Stadtwerke angehört, einbezogen oder beteiligt wurde, obwohl es zwischenzeitlich genügend Gelegenheiten und Begegnungen gegeben hätte.

Enttäuschend ist vor allem auch, dass die Stadtwerke Schweinfurt zwar kurz vor Weihnachten am 20. Dezember 2018 in der Lokalpresse über die bevorstehenden Änderungen des Fahrplans informiert haben, aber in dem besagten Pressebericht ausschließlich von städtischen Linien die Rede ist. https://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Fahrplanwechsel-zum-1-Januar-2019;art742,10137527

Die Kommunikation und das Miteinander erinnern mich hier sehr stark an die Vorgänge um die Rathenau-Schulen bzw. Realschule Schonungen.  

Nach meinem Dafürhalten wäre es doch besser gewesen, wenn mit den betroffenen Gemeinden die Fahrgastzahlen und Frequentierung der Busse im Vorfeld besprochen worden wären. Dann hätte man gemeinsam geeignete Ideen und Maßnahmen entwickeln können, wie langfristig die Nutzung der Buslinien begünstigt werden oder gar, wie der Fahrplan den Bedürfnissen der Fahrgäste entsprechend optimiert werden könnte.

Wir verstehen uns als gleichwertiger Partner der Stadt Schweinfurt und haben das gerade wieder in den letzten Wochen mehrfach zugunsten der Stadt unter Beweis gestellt. Ich will an dieser Stelle an die Bohrungen für das Wassereinzugsgebiet der Stadt auf unserem Gemarkungsbereich erinnern oder die Planung einer Fernwasserleitung Richtung Haßfurt, die weite Teile unserer gemeindlichen Flächen berühren. Hier haben wir der Stadt sehr viele Zugeständnisse gemacht.

Ich denke aber auch an den Bau und Betrieb der Windkraftanlagen und viele weitere Wünsche und Projekte, denen wir in den letzten Jahren trotz hoher Arbeitsbelastung in der Gemeindeverwaltung entsprochen und unterstützt haben.

Grundsätzlich ist erst mal jeder Bürger, der im Einzugsbereich des Stadtbusverkehrs lebt, potentieller Kunde des Stadtwerke-ÖPNV und fühlt sich von den Einschnitten persönlich betroffen. Das erklärt auch den Aufschrei und den breiten Protest. Alleine die Tatsache, dass von einem attraktiven ÖPNV-Angebot Gebrauch gemacht werden kann, trägt zur Wohn- und Lebensqualität bei.

Es gibt in unserer Gemeinde nicht wenige Strom- und Gaskunden der Stadtwerke, denen durchaus bewusst ist, dass durch deren Erträge der Stadtbus und das Silvana subventioniert werden. Auch ich gehöre zu den Kunden und bin mir dessen bewusst, dass es sicher auch günstigere Versorger auf dem Markt gibt. Im Hinblick auf das vorgehaltene Infrastrukturangebot sehe ich aber darin einen sinnvollen Beitrag und einen wertvollen „Mehrwert“.

Zusätzlich möchte ich daran erinnern, dass die Fahrgäste aus unserem Gemeindegebiet durch höhere Ticket- und Fahrscheinkosten der Tarifzone 3 zu einer erhöhten Kostendeckung beitragen.

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass auch von vielen unserer Serviceangebote und Einrichtungen nicht so viel Gebrauch gemacht wird, sodass annähernd eine Kostendeckung erzielt werden kann. Dazu gehört beispielsweise auch unser Schwimmbad, das wir leider anders als die Stadt, nicht quersubventionieren können, sondern zu Hundertprozent aus unserem zugegebenermaßen überschaubaren Haushalt leisten müssen.  

Obwohl mich die Art und Weise der Kommunikation verwundert hat und obwohl unsere Gemeinde von den Fahrplanänderungen sehr stark betroffen ist und mich inzwischen viele Bürger auffordern hier aktiv zu werden, habe ich mich bisher noch zurückgenommen. Wie ich lesen konnte, wird es nun in Kürze eine Aufsichtsratssitzung geben um der Protestwelle entsprechend zu begegnen. Ich vertraue darauf, dass die Fahrplanänderungen zurückgenommen werden und anschließend geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die entsprechenden Linien besser auszulasten als bisher. Den Kunden aber auch den Gemeinden muss eine Chance gegeben werden, das bestehende ÖPNV-Angebot gemeinsam mit den Stadtwerken zu optimieren bzw. besser anzunehmen.

Zwischenzeitlich habe ich mit Geschäftsführer Thomas Kästner telefonisch Kontakt aufgenommen und meine Erwartungshaltung zum Ausdruck gebracht.

Wir werden die weiteren Entwicklungen der nächsten Tage abwarten und so wünsche ich mir, dass die Stadtwerke dieselbe Leidenschaft für unsere Bedürfnisse entwickelt, so wie wir das umgedreht zugunsten der Stadtwerke in den letzten Jahren, vor allem aber in jüngster Zeit praktizieren.

Freundliche Grüße

 

Stefan Rottmann, 1. Bürgermeister

 



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