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25.06.2013

Das Foto zeigt von links: Fraktionsvorsitzender Elisabeth Weger, Gemeinderätin Sieglinde Diller, Bürgermeister Stefan Rottmann, Medizinalrat Gunnar Geuter (Erlangen), Apotheker Wolfgang Hubbauer, Investor Peter Schmitt, Gemeinderätin Thea Kupfer und 3. Bürgermeister Gerd Barthelmes.
Das Foto zeigt von links: Fraktionsvorsitzender Elisabeth Weger, Gemeinderätin Sieglinde Diller, Bürgermeister Stefan Rottmann, Medizinalrat Gunnar Geuter (Erlangen), Apotheker Wolfgang Hubbauer, Investor Peter Schmitt, Gemeinderätin Thea Kupfer und 3. Bürgermeister Gerd Barthelmes.
Kommunalbüro Ärzteversorgung sieht Schonungen auf dem richtigen Weg
Medizinalrat: Vermarktung der „weichen“ Standortfaktoren vorantreiben
 
Wie geht es weiter mit der ärztlichen Versorgung in der Großgemeinde Schonungen? Seit der Schließung einer Gemeinschaftspraxis im Herbst vergangenen Jahres brennt den Verantwortlichen der Gemeinde das Thema auf den Nägeln. Vor wenigen Tagen kam die Projektgruppe „Ärzteversorgung“, bestehend aus Vertretern des Gemeinderats, Verwaltung, Hausärzten, Apotheker und Investor wieder zusammen. „Die Suche nach einem Allgemeinmediziner geht unvermindert weiter!“, kündigte Bürgermeister Stefan Rottmann an und ging auf die Entwicklung der vergangenen Wochen ein.
 
Hoffnungen hatte man geschöpft, als ein zuzugswilliger Hausarzt bereits Räumlichkeiten besichtigt und den Kontakt zu Arztkollegen und Bürgermeister geknüpft hat. Er zeigte sich sehr interessiert an der Oberlandgemeinde, aber vor allem beeindruckt über die vorhandene Infrastruktur und Lebensqualität, die er an seinem mittelfränkischen Standort vermisste. Schonungen stand im Wettbewerb mit anderen Kommunen, die ebenfalls um die Gunst des Hausarztes buhlten. „Alle Anzeichen ließen darauf vermuten, dass er sich für Schonungen entscheidet und dies nur von den Räumlichkeiten noch abhängig macht!“, sagte Rottmann. Die Wahl fiel nun auf eine Gemeinde im oberbayerischen Voralpenland. Ungeachtet dessen ging das Engagement in den letzten Tagen weiter: Bürgermeister Stefan Rottmann besuchte eine Ärzteversammlung zum Thema „Bereitschaftsdienst“ um dort für den Standort Schonungen zu werben und Kontakte zur Ärzteschaft zu knüpfen. Der Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats, hat sich bereits über Anreize für die Ansiedlung eines Hausarztes beschäftigt. Außerdem habe man auf Zeitungsannoncen in Ärzte-Fachzeitschriften reagiert, mehrere Pressegespräche und Rundfunkbeiträge vereinbart und Kontakt zu Medizin-Studenten aufgebaut. Kurzfristig geht es bei aller Anstrengung darum einen Allgemeinmediziner anzusiedeln, langfristig geht es aber um die vollumfängliche ärztliche Versorgung in der Großgemeinde. Die Suche gestaltet sich schwierig, sodass festzustellen ist, dass es wohl die Rahmenbedingungen unseres Gesundheitssystems sind, die zu einer schleichenden Ausdünnung der ärztlichen Versorgung führt. Beispielsweise die fehlende Attraktivität des Hausarztberufs in einer Gemeinde, die erschwerten Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium, der fehlender Ärztenachwuchs, die Höhe der Honorarentgelte für Hausärzte, fehlende Planungssicherheit, der hohe Bürokratieaufwand für den Betrieb einer Arztpraxis etc…
 
Wie Bürgermeister Stefan Rottmann berichtet, habe man mit dem Lebenshilfewohnheim in der Werlingstraße adäquate Räumlichkeiten als Provisorium gefunden, die sich für den sofortigen Bezug einer Praxis sehr gut eignen. Die großzügigen Räume, die Altortnähe und die dann entstehenden Parkplätze durch den Abbruch des ehemaligen „Bachstüble“ sprächen für das Domizil als Überbrückung, bis dann ein Ärztehaus aufgebaut werden kann. Ein Investor würde aber erst dann tätig werden, wenn er sich seiner langfristigen Vermietung an einen bzw. mehreren Hausarzt/Hausärzten sicher sein kann. Problematisch sei allerdings die Eigentumssituation: Die Lebenshilfe möchte sich von dem Gebäude trennen. Ein Verkauf werde wohl einer Vermietung bevorzugt, weswegen die Verwaltung auch weiterhin dankbar für Vorschläge zur Einrichtung einer Praxis ist. Die Tatsache, dass zahlreiche Vorschläge für ein Praxis-Provisorium bei der Verwaltung eingegangen sind, ja sogar Bewerbungen von Arzthelferinnen für eine mögliche Neueröffnung, zeigt, wie die Bevölkerung mithilft. „Jeder einzelne Bürger/in kann uns unterstützen: Ich bin dankbar für jeden Kontakt zu Medizinstudenten oder jungen Ärzten an Krankenhäusern, die sich selbstständig machen wollen!“, erklärt Rotmann.
 
Gunnar Geuter, Medizinalrat und Leiter des Kommunalbüro für ärztliche Versorgung in Erlangen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gemeinden wie Schonungen bei der Suche nach einem Hausarzt zu unterstützen und beratend zur Seite zu stehen. Sein Referat nahm einen großen Teil der jüngsten Projektgruppensitzung ein. Das Bay. Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit will Versorgungslücken schließen: Demografische und andere gesellschaftliche Veränderungen erfordern neue Strategien, um die wohnortnahe und flächendeckende Versorgung auch künftig zu erhalten. Geuter zeigte sich beeindruckt über die Anstrengungen der Gemeinde Schonungen: „Sie sind auf dem richtigen Weg und setzen viele wichtige Akzente!“, lobte er. Wenngleich die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde sehr eingeschränkt sind: „Sie können lediglich über die ‚weichen’ Standortfaktoren indirekt Einfluss auf die Niederlassung von Ärzten nehmen!“, erklärte Geuter und bescheinigte der Gemeinde eine ausgezeichnete Infrastruktur, Stadtnähe sowie einen hohen Wohn- und Freizeitwert. „Das spricht die potentiellen Ärzte an!“, ist sich Gunnar Geuter sicher, eine intensive Standort-Vermarktung sollte Erfolg bringen. Ein Flyerentwurf zum geplanten Ärztehausprojekt mit den Infrastrukturdaten Schonungens wurde bereits ausgearbeitet: Geuter will den Vorschlag durch seine Abteilung prüfen lassen.
 
Fragen nach Best-Practice-Beispielen anderer Gemeinden, nach Fördermöglichkeiten, Netzwerken und möglichen Praxismodellen beantwortete der Experte eingehend. Aufgrund des Ärztemangels im Planungsbereich Schweinfurt hätte ein zuzugswilliger Arzt Anspruch auf 60.000 Euro Einmalförderung. 200.000 Euro gibt es für ein innovatives Praxis-Modell: Beispielsweise mit neuartigen Arbeitszeitmodellen oder Behandlungsmethoden. Der Ärztenachwuchs darf sich auf ein Stipendium von mtl. 300,- Euro freuen, wenn er sich verpflichtet eine Praxis auf dem Land zu eröffnen.
 
Geuter gab an die Verantwortlichen wichtige Adressen, Unterlagen und Kontaktdaten weiter und rief dazu auf, dass alle Beteiligten im regelmäßig Austausch bleiben: Vor allem die ansässigen Ärzte sollten seiner Ansicht nach informiert und mitgenommen werden. Laut Geuter gehe der Trend zu Ärztehaus-Praxen: Die Synergien lägen auf der Hand. Auch für Schonungen sah der Leiter des Kommunalbüros eine solche Praxisform für sinnvoll an.
 


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