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22.08.2013

Das Foto zeigt die Hausärzte in einer Projektgruppensitzung vom Januar 2013(v.l.): Dr. Uwe Pickert, Ludwig Zimmer und Dr. Jürgen Glöckner, sowie Apotheker Wolfgang Hubbauer (rechts).
Das Foto zeigt die Hausärzte in einer Projektgruppensitzung vom Januar 2013(v.l.): Dr. Uwe Pickert, Ludwig Zimmer und Dr. Jürgen Glöckner, sowie Apotheker Wolfgang Hubbauer (rechts).
Schonungen als attraktiver Arztstandort vermarkten
Rottmann: „Wir haben nahezu alles zu bieten“
 
Eigentlich könnten die Voraussetzungen für die Ansiedlung eines weiteren Allgemeinmediziners in Schonungen nicht besser sein: Bürgermeister Stefan Rottmann wirbt mit hervorragender Lebens- und Wohnqualität, Stadtnähe, lückenloser Infrastruktur, unzähligen Freizeit- und Kulturmöglichkeiten, Schulen, Bus- und bald sogar Bahnanbindung.
 
Aktuell können alle Patienten in Schonungen oder dem benachbarten Schweinfurt versorgt werden. „Es ist noch keine Not ausgebrochen: Aber wir haben den Ehrgeiz, den Status Quo unserer ärztlichen Versorgung zu halten und am besten weiter auszubauen!“, sagt Rottmann. Im Mittelpunkt der gemeindlichen Bemühungen steht die Ansiedlung eines weiteren Hausarztes. Wie geht es weiter mit der ärztlichen Versorgung in der Großgemeinde Schonungen? Seit der Schließung einer Gemeinschaftspraxis im Herbst vergangenen Jahres hat die Großgemeinde das Thema in Form einer Projektgruppe aufgegriffen.
 
Sämtliche Hausärzte bis hin zum Apotheker, Vertreter des Gemeinderats, Bürgermeister und schließlich Verwaltung diskutierten in der jüngsten Sitzung nun über konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen. „Die Suche nach einem Allgemeinmediziner geht unvermindert weiter!“, kündigte Bürgermeister Stefan Rottmann an und ging auf die Entwicklung der vergangenen Wochen ein. Rottmann besuchte eine Ärzteversammlung zum Thema „Bereitschaftsdienst“ um dort für den Standort Schonungen zu werben und Kontakte zur Ärzteschaft zu knüpfen. Der Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats, hat sich bereits über Möglichkeiten zur Ansiedlung eines Hausarztes beschäftigt. Außerdem habe man auf Zeitungsannoncen in Ärzte-Fachzeitschriften reagiert, mehrere Pressegespräche und Rundfunkbeiträge vereinbart und Kontakt zu Medizin-Studenten aufgebaut. Ja sogar zum Medizinalrat, Gunnar Geuter nahm Amtsleiterin Maria Waldhäuser Kontakt auf: Er ist Leiter des Kommunalbüros für ärztliche Versorgung mit Sitz in Erlangen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gemeinden wie Schonungen bei der Suche nach einem Hausarzt zu unterstützen und beratend zur Seite zu stehen. Das Bay. Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit will Versorgungslücken schließen: Demografische und andere gesellschaftliche Veränderungen erfordern neue Strategien, um die wohnortnahe und flächendeckende Versorgung auch künftig zu erhalten. Geuter zeigte sich beeindruckt über die Anstrengungen der Gemeinde Schonungen: „Sie sind auf dem richtigen Weg und setzen viele wichtige Akzente!“, lobte er. Wenngleich die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde sehr eingeschränkt sind: „Sie können lediglich über die ‚weichen’ Standortfaktoren indirekt Einfluss auf die Niederlassung von Ärzten nehmen!“, erklärte Geuter und bescheinigte der Gemeinde eine ausgezeichnete Infrastruktur, Stadtnähe sowie einen hohen Wohn- und Freizeitwert. „Das spricht die potentiellen Ärzte an!“, ist sich Gunnar Geuter sicher, eine intensive Standort-Vermarktung sollte Erfolg bringen
 
Fragen nach Best-Practice-Beispielen anderer Gemeinden, nach Fördermöglichkeiten, Netzwerken und möglichen Praxismodellen beantwortete der Experte eingehend. Aufgrund des Ärztemangels im Planungsbereich Schweinfurt hätte ein zuzugswilliger Arzt Anspruch auf 60.000 Euro Einmalförderung. 200.000 Euro gibt es für ein innovatives Praxis-Modell: Beispielsweise mit neuartigen Arbeitszeitmodellen oder Behandlungsmethoden. Der Ärztenachwuchs darf sich auf ein Stipendium von mtl. 300,- Euro freuen, wenn er sich verpflichtet eine Praxis auf dem Land zu eröffnen.
 
Geuter gab an die Verantwortlichen wichtige Adressen, Unterlagen und Kontaktdaten weiter und rief dazu auf, dass alle Beteiligten im regelmäßig Austausch bleiben.
 
Kurzfristig geht es bei aller Anstrengung darum einen Allgemeinmediziner anzusiedeln, langfristig geht es aber um die vollumfängliche ärztliche Versorgung in der Großgemeinde, sagt Rottmann. Die Suche gestaltet sich schwierig, sodass festzustellen ist, dass es wohl die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems sind, die zu einer schleichenden Ausdünnung der ärztlichen Versorgung führt. Beispielsweise die fehlende Attraktivität des Hausarztberufs in einer Gemeinde, die erschwerten Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium, der fehlender Ärztenachwuchs, die Höhe der Honorarentgelte für Hausärzte, fehlende Planungssicherheit, der hohe Bürokratieaufwand für den Betrieb einer Arztpraxis etc…
 
In der Projektgruppe verständigte man sich derweil auf ein Maßnahmenpaket, das Bürgermeister und Amtsleiterin Maria Walshäuser nun anstoßen werden. Ärzte in der Region sollen angeschrieben werden, aber vor allem Ärzte aller Fachbereiche, die innerhalb der Gemeinde wohnhaft sind. Durch Flyer, Facebook und Internet sollen junge Ärzte aber auch Medizinstudenten neugierig gemacht werden. Banner, Plakate bzw. Aushänge in Krankenhäuser oder gar die Teilnahme bei Ärztetagungen und Kongressen könnten ebenfalls helfen, wie es aus der Projektgruppe heißt. Nichts soll unversucht gelassen werden – möglicherweise könne auch der Medizinalrat Gunnar Geuter nochmal beratend eingeschalten werden. Auch die Allgemeinmediziner der Großgemeinde sind mit hohem Engagement und kreativen Ideen dabei, lobt Rottmann. Eine Ausbildungspraxis, eine Filiale zu einer bestehenden Praxis mit einem angestellten Arzt und viele weitere Möglichkeiten oder Modelle könnten ausgelotet werden. Bürgermeister Stefan Rottmann lobte die Zusammenarbeit mit den Hausärzten Dr. Uwe Pickert, Dr. Jürgen Glückner und Ludwig Zimmer, die sich freiwillig und uneigennützig in den Dienst der Sache stellten.
 


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