neutral.jpg

Aktuelles

Zurück


28.11.2017

Gemeinderat beschließt Abbruch der Grundstraßen-Scheune

Entspannung für Anlieger, Verkehr und Fußgänger

Viel wurde geschrieben und berichtet über das alte Bauerngehöft in Mainbergs Grundstraße. Wie geht es nun weiter? Seit geraumer Zeit beschäftigt sich damit der Gemeinderat und sucht nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft und auch eine Bürgerversammlung mit Ortsbegehung wurde Ende April eigens einberufen. Eines haben die Beratungen und Diskussionen bisher aber deutlich gezeigt: Viele unterschiedliche Ideen und Vorstellungen treffen selbst unter Fachleuten aufeinander. Ein einheitliches Stimmungsbild über die Zukunft des Gebäudeensembles ist nur schwer auszumachen.

2009 hat die Gemeinde Wohnhaus und Scheune in der Grundstraße unter dem damaligen Gemeinderat und Bürgermeister erworben: Hintergrund war die Verwirklichung eines durchgehenden Gehsteigs und Beseitigung der Engstelle. Jetzt, 2017 steht der Gehsteig außer Frage – doch was mit den übrigen Flächen und Gebäudlichkeiten passiert, da gehen die Meinungen weit auseinander: Wenn der Gehsteig gebaut werden soll, wird die Scheune abgerissen oder entsteht womöglich ein Arkadendurchgang? Was passiert mit den Flächen hinter dem Gehsteig? Sollen Scheune und Wohnhaus gemeinsam veräußert werden oder doch nur das Bauernhaus? Braucht es eine Platzgestaltung? Sollen weitere Parkplätze entstehen oder die Straße verbreitert werden? Und was wird aus dem sanierungsbedürftigen Wohnhaus? Fragen über Fragen.

Bereits im vergangenen Jahr hat sich die Gemeinde mit dem Objekt auseinandergesetzt und hat die Abrisskosten schätzen lassen. Der für Mainberg festgestellte Bodenrichtwert abzüglich des Abbruchs stellt eine realistische Größe für eine Veräußerung dar. Eines ist jedenfalls klar: Die Gemeinde konzentriert sich aktuell stark auf ihre Pflichtaufgaben, zu denen beispielsweise die Errichtung der längst überfälligen Grundschule, die Schaffung von Kinderkrippenplätzen oder der Kanalbau gehören. Schonungen erhält Jahr für Jahr hohe staatliche Zuschüsse in Form von Stabilisierungshilfen und hat sich einem strengen Haushaltskonsolidierungskonzept unterworfen, außerdem muss der Nachweis erbracht werden, dass die hohen Zuschüsse dem Förderzweck entsprechend verbaut werden. Zu den Auflagen gehört, dass die Gemeinde nicht in Verschönerungsmaßnahmen sondern in erster Linie in kommunale Pflichtaufgaben investiert. Daran hat Bürgermeister Stefan Rottmann eindringlich erinnert.

Außerdem: Nach wie vor besteht der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, eine kommunale Immobilie je Ortsteil dauerhaft zu erhalten und zu bewirtschaften. Mit dem Feuerwehrhaus und dem ehemaligen Rathaus bestehen bereits zwei gemeindliche Liegenschaften in Mainberg. In einer Bürgerversammlung 2013 hatten sich die Anwesenden per Antrag in einer Abstimmung klar gegen den Verkauf des Bauernhauses ausgesprochen - Bürgermeister und Gemeinderat wollten, aufgrund von ernst gemeinten Interessentenanfragen, seiner Zeit die Wohnhausimmobilie getrennt von der Scheune zum Verkauf stellen um einen potenten und sanierungswilligen Käufer zu finden.

Jetzt vier Jahre später lässt sich der Bürgerwille wohl kaum mehr umsetzen und ein Verkauf bleibt die einzige Chance um das Bauernhaus vor dem Verfall zu retten. Architekten kamen bei einer Begehung zu dem Ergebnis, dass sich der Gebäudezustand weiter verschlechtern wird und schon bald irreparable Schäden zu erwarten sind. Es ist also Eile geboten. Das im 17. Jahrhundert errichtete Wohnhaus ist teilweise noch im Ursprungszustand erhalten, das Dach hingegen wurde nachträglich verändert.

Eine Initiative in Mainberg hat sich für den Erhalt des Wohnhauses und Scheune stark gemacht: Das wiederum rief das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan, die zumindest das Wohnhaus zwischenzeitlich im August 2017 unter Denkmalschutz gestellt haben. Die Scheune hingegen stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat bei weitem nicht die historische Bedeutung wie das Wohnhaus.

Mainberg soll schöner und besser werden, darin sind sich Bürgermeister, Gemeinderat und Bürger jedenfalls einig. Aus diesem Grund lud Bürgermeister Stefan Rottmann gemeinsam mit dem Gemeinderat, Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung, der Städtebauförderung und der Bürgerschaft zu einer Ortsbegehung nach Mainberg ein. Neben der Dorferneuerung gäbe es auch die Möglichkeit ein Sanierungsgebiet auszuweisen und Zuschüsse über die Städtebauförderung zu erhalten. Beides setze allerdings voraus, dass die Gemeinde auch umfassende öffentliche Maßnahmen (Straßen, Plätze…) plant und absehbar baulich umsetzt. Das wiederum ist aufgrund der jetzt laufenden Pflichtprojekte wie Schule, Kanal, und bald auch Turnhallen- und Schwimmbadsanierung unrealistisch.

Mehr noch mahnten die Amtsvertreter von Dorferneuerung und Städtebauförderung an, dass sich die Gemeinde auf die laufenden Förderprogramme konzentrieren solle und hier Fortschritte zu erzielen sind. Die Ausarbeitung eines Gesamtkonzepts für Mainberg wäre nach übereinstimmender Architektenmeinung sehr arbeits- bzw. kostenintensiv und brauche einen Vorlauf von gut drei Jahren, weil jedes einzelne Haus bewertet und analysiert wird: Neben den Finanzmitteln, fehle es aktuell aber vor allem an den personellen Ressourcen, die in den laufenden Maßnahmen sehr stark gebunden sind. Außerdem muss bedacht werden, dass der Eingriff in den öffentlichen Raum bei Straßen und Plätze entsprechend eines dann ausgearbeiteten Gesamtkonzepts in Mainberg wiederum umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen in Kanal und anderer Versorgungsleitungen nach sich ziehen, was weitere beachtliche finanzielle Belastungen für Gemeinde und Anlieger bedeutet.

Im Gemeinderat war man sich angesichts der Ausgangssituation schnell einig, dass kleine Schritte begangen werden müssen. Klar ist aber auch, dass durch fehlende Förder- und Abschreibungsmöglichkeiten ein potentieller Käufer für das Wohnhaus an der Grundstraße noch schwerer zu finden sein wird. Auch wenn sich so schnell keine Perspektive für das Wohnhaus ergeben wird, war sich der Gemeinderat schnell im Klaren, dass entsprechend dem ursprünglichen Gedanken zumindest an der Engstelle der Grundstraße etwas passieren muss. Der Anblick der Scheune ist wenig vorteilhaft für das Ortsbild. Mit dem Abbruch wird der Blick auf die hinter liegenden Häuserfassaden frei und es könnten ordentliche Erschließungs- und Zufahrtssituationen geschaffen werden, was zu einer Entspannung der beengten Verhältnisse und Nachbarschaftssituationen beitragen wird. Die Gemeinde verantwortet auch die Verkehrssicherungspflicht ihrer Immobilien, die gerade beim Wohnhaus und der Scheune nicht vollumfänglich gegeben ist. Nachbarn berichten, dass sich das Dach bei Orkanböen stark bewegt, was sich mit den Expertenaussagen des Architekten Friedrich Staib deckt, der hier im Dachgebälk der Scheune statische Probleme sieht. Der angebaute ehemalige Kuhstall wurde Anfang 2016 aus Gründen der Verkehrssicherheit abgebrochen.


Die Engstelle an der viel befahrenen Grundstraße birgt nach Meinung vieler Eltern obendrein eine Gefahr für Fußgänger, vor allem aber Kinder – weil ausgerechnet an dieser Stelle kein Gehsteig vorhanden ist. Der gesamte Verkehr Mainbergs zwängt sich aktuell durch dieses Nadelöhr.

Der Gemeinderat sieht mit dem Abriss der Scheune die Möglichkeit, gemeinsam mit Ortsplaner Artur Metz gestalterisch einzuwirken: Die Grundstückssituation soll neu geordnet, ein Gehsteig errichtet und die Straße gegebenenfalls auch verbreitert werden. Im Hinblick auf die jetzt bestehende Scheunenfassade wird die Oberflächengestaltung die Grundstraße wesentlich aufwerten. Durch den Verkauf von Grundstücksteilflächen wird die Gemeinde den Abbruch zu einem großen Teil gegen finanzieren können.

Lange genug wurden Lösungen gesucht, die die Interessen des dort ansässigen Handwerks, die beengte Verkehrs- und Parkplatzsituation in der Grundstraße, die Gemeindefinanzen aber auch dorfgestalterische Aspekte im Blick haben. Darüber hinaus galt es zu beachten, dass die Gemeinde aus kommunalrechtlichen Gründen, Eigentum nicht unter Wert veräußern oder gar verschenken kann. Alles zusammen kommt der Quadratur des Kreises gleich, zieht Bürgermeister Stefan Rottmann den Vergleich. Das Engagement einzelner Bürger für das alte Bauerngehöft in der Grundstraße ist ehrenwert, allerdings ist hierfür auch die Akzeptanz von Anliegern und Nachbarn entscheidend: Die dortigen Anwohner müssen mitgenommen und dürfen nicht übergangen werden, waren sich Gemeinderäte und Bürgermeister einig. Transparenz und Offenheit war der Gemeinde von Anfang an wichtig, deshalb wurde die Initiative um das Bauerngehöft bei allen Begehungen mit Behörden des Dankmalschutz und Zuschussgebern mit eingeladen.

Noch viele weitere Jahre zuzuwarten, werde keine Verbesserungen für den Zustand der Scheune, für Verkehr, Fußgänger und Anlieger bedeuten, deshalb hat sich der Gemeinderat nahezu einstimmig zum Handeln entschlossen. Eine noch weitere ungewisse Hängepartie wäre für die direkt betroffenen Bürger eine Zumutung – dass dies vereinzelt aus der fehlenden persönlichen Betroffenheit anders gesehen werde, liegt in der Natur der Sache.

Offen bleibt die Zukunft des Wohnhauses des ehemaligen Kleinbauernhofs: Idealerweise fände sich ein sanierungswilliger Käufer. Die Zukunft bleibt für dieses Gebäude jedenfalls weiter offen.

Trotz aller Diskussionen um das Bauerngehöft, kann dies aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Mainberg in den vergangenen Jahren sehr verjüngt und eine deutlich positive Einwohnerbilanz vorzuweisen hat. Offensichtlich ist Mainberg als Wohnort sehr beliebt und gefragt.



Zurück